05.01.2021

Wie alt wird TINA werden?



Wer jetzt an ein junges Fräulein denkt, der wird vielleicht enttäusch sein wenn ich erkläre, dass ich damit die Abkürzung für „There Is No Alternative“ meine. Den derzeit am stärksten vorherrschenden Motor in der generellen Asset Allokation. TINA wird nahezu in jeder Investitions-Diskussion als Entscheidungsgrundlage herangezogen. Fast meint man schon zu pauschal. Der Jahresbeginn ist vielleicht eine gute Gelegenheit sich mit den zu Grunde liegenden Annahmen zu beschäftigen, seine Perspektiven dadurch zu hinterfragen um daraus vielleicht neue Schlüsse zu ziehen oder die Alten zu bestätigen.

In welchem Umfeld leben wir gerade? Politik umnebelt uns, kaum greifbar, immer mit unterschwelliger Bedrohung verknüpft. Immer zu sehr an der Glaubwürdigkeit vorbei. Dann das Impfuniversum mit sämtlichen Emotionen die der Mensch hergibt. Aber auch hier wird die Glaubwürdigkeit immer wieder angegriffen. Teilweise entlarvend primitiv argumentiert, aber immer mit medialer Präsenz. Und dann haben wir die Finanzhilfen von Notenbanken und Staatshaushalten, die immer tiefer in Taschen greifen, die man vorher noch gar nicht kannte, weil es sie vorher auch noch gar nicht gab. Virtuelle Hilfe meint man. Auch hier spießt es sich mit der Glaubwürdigkeit. Nämlich jener, wie denn das alles einmal zurückgezahlt oder ausgeglichen werden soll. Und jetzt kommt noch der Investitionshunger von uns Anlegern dazu. Schwierig.

Inmitten des Lockdowns pflegen wir natürlich unser Freiheitsbewusstsein. Gerade weil es diese Freiheit eben gerade nur in Dosen gibt. Und die werden wertvoll. Genauso ergeht es unserem Ertragsbewusstsein. Kleine Dosen. Zugeständnisse bei Asset Klassen. Die Suche nach der kleinen Freude im positiven Return.  Wir alle warten auf die Konjunkturerholung. Neben dem Gesundbleiben das oberste Ziel am Globus. Genauso wie die Kurzarbeitenden, Home-Office-Experten und Lockdown-Arbeiter warten auch alle Investitionswilligen auf die ersten Zeichen im Wirtschaftsplus.

Auf diese Phase sind die Aktienmärkte gerade fixiert und auch überwiegend hin investiert. Die Bewertungen spiegeln genau diese Annahme der baldigen Erholung. Sau-teuer, aber die Märkte blicken eben jetzt auf die Konjunktur, nicht die Rezession davor. Aber wie lange noch, wenn jeden Tag eine neue Lockdown-Verlängerung in den Äther tropft? Vielleicht nach den Aktien, dann doch andere TINAs? Alternativen erneut gesucht?

Wie steht es dann mit den Staatsanleihen? Könnte da etwas passieren was uns hilft? Was, wenn die Inflation doch kommt. Diese Inflation, von der so jede Notenbank der Welt spricht, wie den Kindern das Christkind schon im Jänner versprochen wird. Aber was, wenn genau diese Inflation bereits um die Ecke wartet? Wenn die ganzen stillen Preiserhöhungen beim Lebensmittel, Miet- oder Online-Handelsaufwand bereits in die Geldbörsel sickern. Und wenn das so ist, wie kann sich das in Euroland, oder gar am Globus mit den riesigen Staatsschulden ausgehen? Sind steigende Inflationszahlen nicht ein Indiz für steigende Zinsen und somit steigende Renditen von Anleihen? Und sind dann diese heutigen Anleihen nicht in Zukunft weniger wert? Hält diesen Zinsanstieg die mühsam nach Oben kämpfende Wirtschaft überhaupt aus? Oder wäre dann die Lösung nicht einfach jene, dass Staatsanaleihen von dieser Bewegung ausgenommen werden weil sich die Staaten in Euroland zum Beispiel nur mehr gemeinsam verschulden und dies am besten über die EZB? In Zeiten ungeahnter Flexibilitäten vielleicht eine valide Überlegung. Ok, bedeutet, dass es zwei Bond-Universen geben wird müssen. Eines mit den „normalen“ Anleihen, die mit der Inflation kämpfen dürfen, und eines mit den Eurobonds die allesamt quasi unter sich innerhalb der EZB handeln. Schwierige Annahme. Setzt nämlich eine harsche Zäsur zwischen Unternehmen und EU-Staaten voraus. Und wenn wir bei den Unternehmen sind, die geben ja nicht nur Anleihen sondern auch Aktien aus. Was ist dann mit den Dividenden? Sind diese Erträge dann nicht unschlagbar attraktiv? Und müsste man dann nicht erwarten, dass gleich auch etwas an deren Attraktivität gebremst wird um die Bonds nicht in die endgültige Unattraktivität zu stürzen? Oder reguliert sich das dann nicht eh von selbst, wenn die Aktien in der globalen Anlagenot blitzartig viel zu teuer geworden sind.

Man darf in dieses Bild, angesichts der letzten „Empfehlungen“ in Richtung von Bankdividenden,  durchaus die Erwartung externer regulatorischer Einflüsse importieren. Am Ende drohen vielleicht Beschränkungen überall um nur ja die Staaten entlastet zu halten und die aktuellen Refinanzierungsstrukturen samt ihrer Protagonisten geschützt zu wissen. ABER, ob Dividenden höher besteuert, Staatsanaleihen begünstigt oder Unternehmensanleihen zum Nischeninvestment geadelt würden entscheidet an unseren Kapitalmärkten nicht der jeweils heimische Finanzminister, sondern am Ende der globale Investor. Der ist flexibel und der ist für das Funktionieren unserer Märkte und damit der Refinanzierungsfähigkeit unserer Wirtschaftskreisläufe unabdingbar. Und genau dieser Investor liebt unsere TINA.



05.01.2021

Wie alt wird TINA werden?



Wer jetzt an ein junges Fräulein denkt, der wird vielleicht enttäusch sein wenn ich erkläre, dass ich damit die Abkürzung für „There Is No Alternative“ meine. Den derzeit am stärksten vorherrschenden Motor in der generellen Asset Allokation. TINA wird nahezu in jeder Investitions-Diskussion als Entscheidungsgrundlage herangezogen. Fast meint man schon zu pauschal. Der Jahresbeginn ist vielleicht eine gute Gelegenheit sich mit den zu Grunde liegenden Annahmen zu beschäftigen, seine Perspektiven dadurch zu hinterfragen um daraus vielleicht neue Schlüsse zu ziehen oder die Alten zu bestätigen.

In welchem Umfeld leben wir gerade? Politik umnebelt uns, kaum greifbar, immer mit unterschwelliger Bedrohung verknüpft. Immer zu sehr an der Glaubwürdigkeit vorbei. Dann das Impfuniversum mit sämtlichen Emotionen die der Mensch hergibt. Aber auch hier wird die Glaubwürdigkeit immer wieder angegriffen. Teilweise entlarvend primitiv argumentiert, aber immer mit medialer Präsenz. Und dann haben wir die Finanzhilfen von Notenbanken und Staatshaushalten, die immer tiefer in Taschen greifen, die man vorher noch gar nicht kannte, weil es sie vorher auch noch gar nicht gab. Virtuelle Hilfe meint man. Auch hier spießt es sich mit der Glaubwürdigkeit. Nämlich jener, wie denn das alles einmal zurückgezahlt oder ausgeglichen werden soll. Und jetzt kommt noch der Investitionshunger von uns Anlegern dazu. Schwierig.

Inmitten des Lockdowns pflegen wir natürlich unser Freiheitsbewusstsein. Gerade weil es diese Freiheit eben gerade nur in Dosen gibt. Und die werden wertvoll. Genauso ergeht es unserem Ertragsbewusstsein. Kleine Dosen. Zugeständnisse bei Asset Klassen. Die Suche nach der kleinen Freude im positiven Return.  Wir alle warten auf die Konjunkturerholung. Neben dem Gesundbleiben das oberste Ziel am Globus. Genauso wie die Kurzarbeitenden, Home-Office-Experten und Lockdown-Arbeiter warten auch alle Investitionswilligen auf die ersten Zeichen im Wirtschaftsplus.

Auf diese Phase sind die Aktienmärkte gerade fixiert und auch überwiegend hin investiert. Die Bewertungen spiegeln genau diese Annahme der baldigen Erholung. Sau-teuer, aber die Märkte blicken eben jetzt auf die Konjunktur, nicht die Rezession davor. Aber wie lange noch, wenn jeden Tag eine neue Lockdown-Verlängerung in den Äther tropft? Vielleicht nach den Aktien, dann doch andere TINAs? Alternativen erneut gesucht?

Wie steht es dann mit den Staatsanleihen? Könnte da etwas passieren was uns hilft? Was, wenn die Inflation doch kommt. Diese Inflation, von der so jede Notenbank der Welt spricht, wie den Kindern das Christkind schon im Jänner versprochen wird. Aber was, wenn genau diese Inflation bereits um die Ecke wartet? Wenn die ganzen stillen Preiserhöhungen beim Lebensmittel, Miet- oder Online-Handelsaufwand bereits in die Geldbörsel sickern. Und wenn das so ist, wie kann sich das in Euroland, oder gar am Globus mit den riesigen Staatsschulden ausgehen? Sind steigende Inflationszahlen nicht ein Indiz für steigende Zinsen und somit steigende Renditen von Anleihen? Und sind dann diese heutigen Anleihen nicht in Zukunft weniger wert? Hält diesen Zinsanstieg die mühsam nach Oben kämpfende Wirtschaft überhaupt aus? Oder wäre dann die Lösung nicht einfach jene, dass Staatsanaleihen von dieser Bewegung ausgenommen werden weil sich die Staaten in Euroland zum Beispiel nur mehr gemeinsam verschulden und dies am besten über die EZB? In Zeiten ungeahnter Flexibilitäten vielleicht eine valide Überlegung. Ok, bedeutet, dass es zwei Bond-Universen geben wird müssen. Eines mit den „normalen“ Anleihen, die mit der Inflation kämpfen dürfen, und eines mit den Eurobonds die allesamt quasi unter sich innerhalb der EZB handeln. Schwierige Annahme. Setzt nämlich eine harsche Zäsur zwischen Unternehmen und EU-Staaten voraus. Und wenn wir bei den Unternehmen sind, die geben ja nicht nur Anleihen sondern auch Aktien aus. Was ist dann mit den Dividenden? Sind diese Erträge dann nicht unschlagbar attraktiv? Und müsste man dann nicht erwarten, dass gleich auch etwas an deren Attraktivität gebremst wird um die Bonds nicht in die endgültige Unattraktivität zu stürzen? Oder reguliert sich das dann nicht eh von selbst, wenn die Aktien in der globalen Anlagenot blitzartig viel zu teuer geworden sind.

Man darf in dieses Bild, angesichts der letzten „Empfehlungen“ in Richtung von Bankdividenden,  durchaus die Erwartung externer regulatorischer Einflüsse importieren. Am Ende drohen vielleicht Beschränkungen überall um nur ja die Staaten entlastet zu halten und die aktuellen Refinanzierungsstrukturen samt ihrer Protagonisten geschützt zu wissen. ABER, ob Dividenden höher besteuert, Staatsanaleihen begünstigt oder Unternehmensanleihen zum Nischeninvestment geadelt würden entscheidet an unseren Kapitalmärkten nicht der jeweils heimische Finanzminister, sondern am Ende der globale Investor. Der ist flexibel und der ist für das Funktionieren unserer Märkte und damit der Refinanzierungsfähigkeit unserer Wirtschaftskreisläufe unabdingbar. Und genau dieser Investor liebt unsere TINA.