30.08.2022

Eingeladen, um zu bleiben



Die Inflation ist da und die Notenbanken üben sich im Wettstreit darum mit welchen Zinsmaßnahmen ebendiese Preissteigerung wieder rückgängig gemacht werden kann. Ein edles Ziel möge man meinen, doch in die Jubelchöre mischen sich Fehl-Töne. Während man nämlich noch darüber nachdenkt zu welchen Teilen die Inflationsexplosion einem unkontrollierbaren Preisanstieg bei Energie zu verantworten ist, macht der Rest der Wirtschaft rasch noch sein eigenes Wunder und erhöht im Windschatten genereller Inflationsbesorgnis schnell noch die Preise.

Der Effekt ist nun da und fix, dass die aktuelle Inflation sich aus ihrer Energiequelle herausgearbeitet hat. Wir sind in einem Inflationsuniversum angekommen, das den Zinsmaßnahmen von Notenbanken allein deshalb, weil es inzwischen den breiten Wirtschaftskörper betrifft, auch eine größere Angriffsfläche bietet. Stimmt doch, oder?

Stimmt nicht. Es ist nichts anderes als ein auf gestiegenen Energiepreise hin verantwortetes Preisgefüge, das uns Sorgen macht. Und nahezu jede Branche hat hier ihr eigenes Scherflein dazu beigetragen. Dienstleister, Nahrungsmittelhersteller, Konsumartikel. Kaum vorstellbar, dass gerade deren  Energierechnung gleich ganze Produktgruppe um 10% oder mehr teurer macht, die Preise werden aber trotzdem angehoben. Ich hatte vor einem Jahr über die Inflation am Beispiel von Nudeln geschrieben. Im Zuge von Covid-19 waren ja kurzfristig Lieferketten Richtung Italien unterbrochen und sofort hatte der Spaghetti-Preis reagiert. Damals lagen wir bei 0,89 Cent für 500 Gramm Spaghetti. Heute sind es 1,99 Euro. Von Grund auf durchaus phantasiebegabt ist es mir aber trotzdem nicht gelungen diesen Preissprung von über 100% rational zu begründen, außer mit Preiswillkür. Nun, dies soll jetzt nicht Nudelhersteller oder -verkäufer an den Pranger stellen, es soll nur andeuten, dass wir uns in unserem aktuellen Konsumleben einem mysteriösen Wandel gegenübersehen. Seit etwa zwei Monaten wird rund um die Energie-Bedrohung kaum kontrolliert, aber dafür umso versteckter ein Preisanstieg vollzogen, der fast schon wie eine Generalmaßnahme aussieht. Vielleicht das Motto: wenn alle übers Gas reden, fällt nicht auf, dass die Haushaltsversicherung teurer wird.

Mag so sein oder nicht, es ist aber Faktum, dass die Inflation sich verbreitert. Jetzt darauf die Notwendigkeit für Zinsmaßnahmen abzuleiten, birgt eine zumindest gar nicht so schwer erkennbare Gefahr. Wenn es nämlich willkürliche Preiserhöhungen sind, dann sind diese nicht durch gestiegenen Konsum entstanden. Sie wurden einfach vollzogen. Eine Zinsmaßnahme soll aber eine Impulsveränderung bei Investitionen und somit das Einbremsen zu starker positiver Konjunkturbewegungen erzeugen. Genau das Gegenteil wird aber gerade zur befürchteten Realität. Die Zinserhöhungen könnten das durch hohe Energiekosten oder neue Kosten wie Verteidigung ohnehin schon geschwächte Wachstumspflänzchen unserer Wirtschaftsentwicklung komplett beseitigen. Dann hätten wir die Inflation zwar nicht erledigt, denn deren Ursachen würden ja weiter bestehen bleiben, aber die kreditfinanzierten Investitionen würden zu stolpern beginnen samt dem Umstand, dass neue Kredite wohl umso schwieriger zu vergeben wären.

Gleichzeitig beginnt sich mit der alternativen Besteuerung von in diesen Umständen zu hohen Gewinnen gekommenen Energieerzeugern der nächste politische Karneval zu entwickeln. Unbeachtet von der Tatsache, dass mittlerweile etliche gasbetriebene Kraftwerke in Europa aufgegeben und ihren Betrieb eingestellt haben, konzentriert man sich auf die Besteuerung derjenigen die halt Glück gehabt haben. Lösen wird man dadurch wahrscheinlich nichts, denn mehr Energie wird daraus nicht entstehen, eher weniger, aber der Politik ist es offensichtlich lieber zuerst etwas wegzunehmen, um es danach anderen weiterzugeben. Also „bitte, bitte“ und Dir wird gegeben. Ein weltweit geübtes Muster.

Die Börse wird sich damit einen Unsicherheitsfaktor mehr auf die Schultern legen müssen. Neben dem schwankenden Zinsumfeld, kommt nun die Unsicherheit über die Realisierbarkeit der Ziele der Notenbanken und eine pauschalierte Gewinnentnahme der Politik unter dem Mantel der sozialen Verantwortung dazu. Nicht, dass es nicht genug soziale Bedürfnisse zu decken gäbe in diesen Tagen, aber einen Strukturbruch in der Versorgung wie eben jetzt, kann man auch nur durch Strukturänderungen in der Bepreisung bearbeiten. So wäre eine europaweite Neureglung der Entstehung der Strompreise wohl der beste und in diesen Zeiten richtige Schritt. Genauso eine Entlastung via Überdenken oder gar Aussetzen des CO² Handelszwangs. Eine Besteuerung des Endprodukts hilft dagegen wenig, weil sie nur zu Umgehungsschritten einlädt. Dies wird und muss die Börse verarbeiten.



30.08.2022

Eingeladen, um zu bleiben



Die Inflation ist da und die Notenbanken üben sich im Wettstreit darum mit welchen Zinsmaßnahmen ebendiese Preissteigerung wieder rückgängig gemacht werden kann. Ein edles Ziel möge man meinen, doch in die Jubelchöre mischen sich Fehl-Töne. Während man nämlich noch darüber nachdenkt zu welchen Teilen die Inflationsexplosion einem unkontrollierbaren Preisanstieg bei Energie zu verantworten ist, macht der Rest der Wirtschaft rasch noch sein eigenes Wunder und erhöht im Windschatten genereller Inflationsbesorgnis schnell noch die Preise.

Der Effekt ist nun da und fix, dass die aktuelle Inflation sich aus ihrer Energiequelle herausgearbeitet hat. Wir sind in einem Inflationsuniversum angekommen, das den Zinsmaßnahmen von Notenbanken allein deshalb, weil es inzwischen den breiten Wirtschaftskörper betrifft, auch eine größere Angriffsfläche bietet. Stimmt doch, oder?

Stimmt nicht. Es ist nichts anderes als ein auf gestiegenen Energiepreise hin verantwortetes Preisgefüge, das uns Sorgen macht. Und nahezu jede Branche hat hier ihr eigenes Scherflein dazu beigetragen. Dienstleister, Nahrungsmittelhersteller, Konsumartikel. Kaum vorstellbar, dass gerade deren  Energierechnung gleich ganze Produktgruppe um 10% oder mehr teurer macht, die Preise werden aber trotzdem angehoben. Ich hatte vor einem Jahr über die Inflation am Beispiel von Nudeln geschrieben. Im Zuge von Covid-19 waren ja kurzfristig Lieferketten Richtung Italien unterbrochen und sofort hatte der Spaghetti-Preis reagiert. Damals lagen wir bei 0,89 Cent für 500 Gramm Spaghetti. Heute sind es 1,99 Euro. Von Grund auf durchaus phantasiebegabt ist es mir aber trotzdem nicht gelungen diesen Preissprung von über 100% rational zu begründen, außer mit Preiswillkür. Nun, dies soll jetzt nicht Nudelhersteller oder -verkäufer an den Pranger stellen, es soll nur andeuten, dass wir uns in unserem aktuellen Konsumleben einem mysteriösen Wandel gegenübersehen. Seit etwa zwei Monaten wird rund um die Energie-Bedrohung kaum kontrolliert, aber dafür umso versteckter ein Preisanstieg vollzogen, der fast schon wie eine Generalmaßnahme aussieht. Vielleicht das Motto: wenn alle übers Gas reden, fällt nicht auf, dass die Haushaltsversicherung teurer wird.

Mag so sein oder nicht, es ist aber Faktum, dass die Inflation sich verbreitert. Jetzt darauf die Notwendigkeit für Zinsmaßnahmen abzuleiten, birgt eine zumindest gar nicht so schwer erkennbare Gefahr. Wenn es nämlich willkürliche Preiserhöhungen sind, dann sind diese nicht durch gestiegenen Konsum entstanden. Sie wurden einfach vollzogen. Eine Zinsmaßnahme soll aber eine Impulsveränderung bei Investitionen und somit das Einbremsen zu starker positiver Konjunkturbewegungen erzeugen. Genau das Gegenteil wird aber gerade zur befürchteten Realität. Die Zinserhöhungen könnten das durch hohe Energiekosten oder neue Kosten wie Verteidigung ohnehin schon geschwächte Wachstumspflänzchen unserer Wirtschaftsentwicklung komplett beseitigen. Dann hätten wir die Inflation zwar nicht erledigt, denn deren Ursachen würden ja weiter bestehen bleiben, aber die kreditfinanzierten Investitionen würden zu stolpern beginnen samt dem Umstand, dass neue Kredite wohl umso schwieriger zu vergeben wären.

Gleichzeitig beginnt sich mit der alternativen Besteuerung von in diesen Umständen zu hohen Gewinnen gekommenen Energieerzeugern der nächste politische Karneval zu entwickeln. Unbeachtet von der Tatsache, dass mittlerweile etliche gasbetriebene Kraftwerke in Europa aufgegeben und ihren Betrieb eingestellt haben, konzentriert man sich auf die Besteuerung derjenigen die halt Glück gehabt haben. Lösen wird man dadurch wahrscheinlich nichts, denn mehr Energie wird daraus nicht entstehen, eher weniger, aber der Politik ist es offensichtlich lieber zuerst etwas wegzunehmen, um es danach anderen weiterzugeben. Also „bitte, bitte“ und Dir wird gegeben. Ein weltweit geübtes Muster.

Die Börse wird sich damit einen Unsicherheitsfaktor mehr auf die Schultern legen müssen. Neben dem schwankenden Zinsumfeld, kommt nun die Unsicherheit über die Realisierbarkeit der Ziele der Notenbanken und eine pauschalierte Gewinnentnahme der Politik unter dem Mantel der sozialen Verantwortung dazu. Nicht, dass es nicht genug soziale Bedürfnisse zu decken gäbe in diesen Tagen, aber einen Strukturbruch in der Versorgung wie eben jetzt, kann man auch nur durch Strukturänderungen in der Bepreisung bearbeiten. So wäre eine europaweite Neureglung der Entstehung der Strompreise wohl der beste und in diesen Zeiten richtige Schritt. Genauso eine Entlastung via Überdenken oder gar Aussetzen des CO² Handelszwangs. Eine Besteuerung des Endprodukts hilft dagegen wenig, weil sie nur zu Umgehungsschritten einlädt. Dies wird und muss die Börse verarbeiten.